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Buchbesprechung zu dem Thema „Dominanz“

 

 

All das, was in den letzten Jahrzehnten über „Dominanzverhalten“ von Haushunden und deren Deutung zu lesen war, beruht größtenteils auf der Beobachtung von in Gefangenschaft lebenden Wölfen (Rangordnung, Hierarchiebildung, Alpha-Status). Bei solchen willkürlich zusammengesetzten Rudeln ohne familiäre Beziehungen wurden heftige Kämpfe um Rang und/ oder Ressourcen beobachtet.

Neuere Forschungen an freilebenden Wolfsrudeln haben andere Erkenntnisse erbracht.

So bilden freilebende Wölfe familiäre Rudel, die in der Regel aus den fürsorglichen Elterntieren und den Nachkommen bestehen. Die Elterntiere sind auf Grund ihrer Erfahrung und Souveränität die Leittiere, nicht auf Grund von besonders dominantem Auftreten und sie teilen sich ihre Aufgabengebiete.

David Mech hat das Sozialverhalten freilebender Wölfe beobachtet und beschrieben. Dazu gibt es im internet die folgende Studie zum Runterladen:

David Mech,1999: Alpha-Status, Dominanz und Arbeitsteilung in Wolfsrudeln

Deutsch:

Als pdf-Datei:

www.dog-track.d/t_mech.php

www.spass-mit-hund.de/seiten/mehr_wissen/die_sache_mit_der_dominanz/01_elternschaft/indes.htm

diese Seite ist auch ansonsten sehr interessant!

 

Hunde sind zwar verwandt mit Wölfen, werden aber heute als eigene Spezies angesehen.

Barry Eaton hält es für einen großen Irrtum, die Regeln der Rangordnung, die Wölfen betreffen, auf unsere Haushunde zu übertragen.

Er geht davon aus, dass Menschen und Hunde keine echten Rudel bilden können, weil Rudelbildung nur innerhalb der Art möglich ist. Damit stellt sich für ihn auch nicht die Dominanzfrage in der Mensch-Hund-Beziehung.

Unangebrachtes Verhalten von Hunden ist oft erlernt oder es wurde keine Alternative gezeigt. Darum sind Sozialisierung, Regeln im Haus und Erziehung nach den Regeln der positiven Verstärkung und ein fairer Umgang unerlässlich, wenn ein Hund in die Familie kommt. Barry Eaton räumt auf mit veralteten Erziehungsprinzipien wie z.B. „der Hund darf nicht zuerst fressen“ oder „der Hund darf nicht zuerst durch die Tür gehen“. Sein Büchlein dazu ist leicht verständlich geschrieben:

Barry Eaton: Dominanz – Tatsache oder fixe Idee?

Animal learn Verlag, ISBN 3-936188-09-2 € 5,00

 

Wer sich nicht scheut, ein ziemlich wissenschaftlich geschriebenes Buch in die Hand zu nehmen, kann über die Prüfung der Dominanztheorie, der „sozialen Rangordnung“ und deren Anwendbarkeit auf Haushunde weiterlesen. James O'Heare definiert u.a. Begriffe wie Evolution, Phänotyp und Genotyp, Dominanztheorie, Rangordnung oder Status.

Sehr betroffen gemacht hat mich ein Zitat des in seiner Zeit anerkannten Hundetrainers Konrad Most (1910 – 1955), das ganz eindeutig die Einstellung gegenüber Hunden aus der damaligen Zeit wiedergibt – und leider treffen wir auch heute noch allzu oft die gleiche Einstellung an ( siehe Rezensionen amazon.de):

„In einem Rudel junger Hunde finden heftige Kämpfe statt, um die Rangordnung im Rudel festzulegen. In einem aus Menschen und Hunden bestehenden Rudel gibt es aus Sicht des Trainers eine starke Konkurrenz um die Führung…….Wie in einem Hunderudel kann die Rangordnung in einem aus Menschen und Hunden bestehenden Rudel nur durch körperliche Kraft hergestellt werden, d.h. durch einen Kampf, den der Mensch sofort gewinnt. Man kann ein solches Ergebnis nur dadurch erreichen, dass man den Hund von der absoluten körperlichen Überlegenheit überzeugt.“

Kein Wunder, dass „Alpha-Wurf“, Leinenruck, Kettenwürger, Stachelhalsband und Teletact zum Alltag in der Hundeausbildung gehörten und teilweise leider immer noch gehören!

James O'Heare schreibt, dass es seines Wissens nach keine Forschung zur Bestimmung der Dominanz zwischen Menschen und Hunden gibt. Trotzdem wird in vielen kynologischen Fachbüchern den Besitzern geraten, ihre Hunde zu dominieren. Vielleicht lernen aber junge Hunde einfach, ihren Menschen zu folgen wie sie ihrer Mutter folgen würden und die Probleme entstehen dann, wenn wir Menschen nicht die adäquaten und - in den Augen des Hundes - souveränen Führer sind?!

Kein Buch zum „nur einmal Runterlesen“ :

 

James O'Heare: Die Dominanztheorie bei Hunden

Animal learn Verlag, ISBN 3-936188-21-1 € 9,00

 

Ein weiteres sehr umfassendes Buch zu diesem Thema wurde von Ray und Lorna Coppinger geschrieben. Die beiden Biologen haben umfangreiche Studien betrieben zur Entwicklung des Haushundes aus dem Wolf, zur Entstehung der einzelnen Rassen, ihrer spezifischen Fähigkeiten und ihrer Verhaltensmuster. Sie haben in verschiedenen Ländern das Leben freilebender Hunde beobachtet und ihr Verhalten mit dem freilebender Wölfe verglichen. So bilden Hunde beispielsweise keine Rudel wie Wölfe, sondern leben eher in losen Gruppenverbänden zusammen. Die Sozialstrukturen innerhalb einer Gruppe können allerdings z.B. aufgrund von wechselndem Nahrungsangebot erheblich variieren. Sozialstatus scheint für Hunde wichtig zu sein, aber nicht so bedeutsam wie für erwachsene Wölfe.

Auch dieses Buch ist eher wissenschaftlich geschrieben, eignet sich aber immer wieder zum Nachlesen und regt an zum Nachdenken und Umdenken über Hundeverhalten und die Beziehung Mensch – Hund:

Ray und Lorna Coppinger: Hunde

Animal learn Verlag, ISBN 3-936188-07-6 € 34,00

 

98 % der Gene von Menschen und Menschenaffen sind gleich. Obwohl Menschen und Affen also eng miteinander verwandt sind, verhalten sich Menschen generell nicht wie Affen – auch wenn manchmal ein anderer Eindruck entstehen könnte J . Allerdings gibt es in vielen Bereichen des Verhaltens auch Ähnlichkeiten.

98 % der Gene von Wölfen und Hunden sind gleich. Obwohl auch hier eine enge Verwandtschaft besteht, bedeutet das nicht, dass Hunde sich grundsätzlich wie Wölfe verhalten.

Patricia B. Mc Connell ist Zoologin, Verhaltenstherapeutin und Hundetrainerin. Ihr Interesse gilt beiden Enden der Leine und ihr Buch handelt davon, wie Hunde unser primatenähnliches Verhalten missverstehen können und welche Probleme sich daraus entwickeln.

Sie bespricht die unterschiedlichen Sinnesleistungen von Mensch und Hund, wie Hunde lernen und warum Hunde so sensibel auf unsere Körpersprache und unsere Stimmlage reagieren.

Wir erfahren viel über das natürliche Verhaltenrepertoire von Primaten und warum wir im Umgang und im Training mit Hunden auf einen Teil dieser Verhaltensmuster verzichten sollten J .

Patricia B. Mc Connell sieht es nicht als erwiesen an, dass Menschen und Hunde nicht doch in einer Art „Rudel“ zusammen leben könnten. So wie in einer Familie sind Regeln und das Setzen von Grenzen für alle Mitglieder wichtig, um friedlich miteinander zu leben.

Das Buch ist eine Einladung, nicht nur unsere Hunde, sondern auch uns selbst besser kennen zu lernen und für uns selbst genauso viel Geduld und Verständnis aufzubringen wie für unseren Hund.

Trotz der wissenschaftlichen Ansätze ist das Buch locker und mit viel Herz geschrieben mit vielen Textpassagen, die zum Schmunzeln bringen:

Patricia B. Mc Connell: Das andere Ende der Leine

Kynos Verlag, ISBN 3-933228-93-X € 19,90

 

Wovon wird unser Umgang mit Hunden geprägt? Überlegen wir vor einer Aktion mit unserem Hund, ob wir damit unserer gemeinsamen Beziehung schaden oder ob wir sie damit stärken können? Reicht es aus, perfekt auszubilden und die Gesetzmäßigkeiten des Hundeverhaltens und die Lerntheorien zu kennen? Oder suchen wir in der Kommunikation mit unseren Hunden andere Wege, verstanden zu werden, zu verstehen und zuzuhören?

Suzanne Clothier, selbst langjährige Hundeausbilderin, hält Gehorsamkeitstraining, Gewalt oder Zwang nicht für einen ausreichenden Ersatz bei mangelhafter Führung, vor allen Dingen nicht in Konfliktsituationen. Bewusst und qualitätsvoll mit seinem Hund umzugehen, wenn er es benötigt, erfordert nicht mehr Zeit als Ausbildung, Unterordnungstraining oder eine flüchtige und unvollständige Zuwendung.

Suzanne Clothier bringt uns zum Nachdenken über unsere Einstellung zu unseren Hunden. Hören wir wirklich zu? Hinterfragen wir ein Verhalten oder reagieren wir nur darauf? Geben wir unserem Hund eine Chance uns mitzuteilen, dass er Angst hat, verletzt oder verunsichert ist?

Wie gehen wir mit Aggressionen um, die Hunde untereinander oder uns gegenüber zeigen? Realisieren wir, dass Hunde immer einen Grund für gezeigtes Verhalten haben? Denn nur wenn diese Gründe erkannt und bearbeitet werden, lassen sich Aggressionen abbauen.

Wer hier andere als die üblichen Fragen stellt, findet in diesem Buch die dazugehörigen anderen Antworten:

Suzanne Clothier: es würde Knochen vom Himmel regnen

Animal learn Verlag, ISBN 3-936188-15-7 € 26,00

 

 

 

Ein weiteres gut verständlich geschriebenes Buch zu diesen Themen wurde von den TTEAM-Practitionerinnen Martina Albert und Michaela Feldhordt geschrieben, die beide außerdem Hundetrainerinnen und Verhaltenstherapeutinnen sind. Neben der Besprechung von Hundeverhalten, „Dominanz“ und Rangordnung, Calming Signals, Lerntheorie, Clickertraining, sinnvollem Spielen, Sinnesleistungen, Stress, Problemverhalten, Gesundheit u.v.m. werden ganz viele praktische Erziehungs- und Lösungsmöglichkeiten für den Alltag angeboten. Natürlich hat auch die TTEAM-Methode ihren Platz in diesem Buch, Homöopatika und Bachblüten-Essenzen werden von den Autorinnen unterstützend eingesetzt.

Ein praxisnahes Allroundbuch, das für Hunde – Erstbesitzer ebenso gut geeignet ist wie für erfahrene Hundemenschen:

Martina Albert, Michalea Feldhordt: Hunde – Rätsel auf vier Pfoten?

Books on Demand GmbH Verlag, ISBN 3-8334-3086-9

 

Wer noch mehr Spielideen haben möchte, kann sich das Buch von Christina Sondermann zulegen. Motto ist nicht der Leistungsgedanke, sondern wirklich der Spaß auf beiden Seiten ohne Stress. Viele Spiele sprechen die Sinnesorgane des Hundes an, die Spielgeräte sind ohne großen Aufwand aus Alltagsgegenständen gebaut und gebastelt und sind geeignet für Wohnzimmer und Garten. Ein Hundeplatz ist nicht zwingend notwendig. Bei allen Aktionen mit dem Hund wird großer Wert auf einen positiven Aufbau mit Leckerchen gelegt. Das Erlernen wird Schritt für Schritt angeleitet und ist angepasst an die Lernfähigkeit des Hundes und an seine körperliche und emotionale Situation (z.B. junger Hund – alter Hund, sicherer Hund – unsicherer Hund). Entspannt spielen mit dem Hund fördert sein Selbstvertrauen und stärkt die Bindung zwischen Mensch und Hund:

Christina Sondermann: Das große Spielebuch für Hunde

Cadmos Verlag, ISBN 3-86127-782-4 € 22,90

 

 

 

 

 

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