LEBEN MIT EINEM BLINDEN HUND
FALLGESCHICHTE TIBER
von Gabi Maue
Als wir unseren Wunschhund, den Berger des Pyrénées Tiber mit 17 Wochen bei seinem belgischen Züchter abholten, war er sehr ängstlich, erschreckte sich vor allen Geräuschen und reagierte voller Panik auf die Annäherung von fremden Personen.
Von TTOUCH® und den Beschwichtigungssignalen der Hunde hatten wir noch nichts gehört und gingen Tibers Problematik auf die herkömmliche Weise in einer guten Hundeschule an.
Mit viel Geduld und Verständnis konnten wir einige Probleme bearbeiten, Tiber wurde sogar ausgestellt und erhielt seine Zuchtzulassung. Bis auf einige Verhaltensauffälligkeiten, die wir auch in der Hundeschule nicht bearbeiten konnten, schien er sich zu einem "normalen" Hund zu entwickeln.
Mit eineinhalb Jahren fiel erstmalig eine Unsicherheit in der Dämmerung auf, zwei Monate später ergab eine augentierärztliche Untersuchung den Verdacht auf Progressive Retina Atrophie (PRA) . Das ist eine erbliche, nicht behandelbare Augenerkrankung, die zur Erblindung führt.
Wir wollten dieser Diagnose nicht glauben und leiteten eine homöopathische Behandlung ein.
Anfänglich schien es Tiber besser zu gehen, er wurde wieder sicherer und selbstbewusster. Aber nach zwei Monaten verschlechterte sich sowohl sein Verhalten wie auch der Befund seiner Netzhaut. Wieder zwei Monate später gab es an der Diagnose nichts mehr zu rütteln: Tiber würde in absehbarer Zeit völlig erblinden. Zu diesem Zeitpunkt war Tiber gerade 2,5 Jahre alt. Mit drei Jahren war Tiber blind.
Unser aller mentaler Zustand war katastrophal: wir haderten mit dem Schicksal und Tiber wurde zu einem Häuflein Elend - er traute sich nicht mehr alleine vorweg zu laufen und klebte beim Spaziergang an unseren Beinen. Hundebegegnungen ging er ganz aus dem Weg. Er mochte nicht mehr frei im Raum stehen und lehnte sich überall, wo es möglich war, an die Wand . Wenn wir ihm zum Säubern eine Pfote hochheben wollten, schnappte er nach uns. Zeitweise wirkte er ganz apathisch und depressiv.
So entschlossen wir uns, einen zweiten Hund dazu zunehmen. Es sollte eine Hündin gleicher Rasse sein, die im Rudel aufgewachsen war und nicht in ranghöchster Position gelebt hatte. Wir fanden Fanny, die nach anfänglichen leichten Schwierigkeiten heute gut mit Tiber zusammenlebt. Tiber wurde natürlich kastriert.
In dieser Phase lernte ich Linda Tellington - Jones und ihre Arbeit auf einer Demo in Aachen kennen und spürte sofort, dass ich für mich und meine Hunde die richtige Methode gefunden hatte.
Einen Nachmittag habe ich dann mit beiden Hunden bei Bibi Degn verbracht. Sie legte Tiber eine ganze Bandage an und konzentrierte sich vor allen Dingen auf seine Beine und Pfoten.
Beinkreisen, TTouches auf den Ballen, zwischen den Ballen und Noahs Marsch am ganzen Körper halfen Tiber, sich seines ganzen Körpers wieder bewusst zu werden. Nach dieser vielleicht 20-minütigen Sitzung bewegte er sich freier und selbstsicherer in diesem für ihn völlig fremden Raum. Am Auto angekommen, sprang er locker hinten in meinen Geländewagen.
Ich war wirklich fasziniert und auch sehr glücklich !
Nachdem ich die TTEAM-Ausbildung begonnen hatte, arbeitete ich gezielt mit Tiber weiter. Tiber hat sich in kurzer Zeit zu einem lebensfrohen und sicheren Hund gewandelt. So weigerte er sich in den ersten Ausbildungskursen noch, sich anfassen zu lassen oder auch nur einen Schritt mit einem fremden Menschen zu gehen. In den späteren Kursen ließ er sich auch von meinen KollegInnen touchen und erwies sich als guter Lehrer im Führtraining. Bei den anfänglichen Übungen hatte die Anwendung der Gerte sehr geholfen, ihn auf Berührung vorzubereiten.
Für einen blinden Hund ist eine klare Führung sehr wichtig überall dort, wo er fremd ist oder zu viele äußere Einflüsse (Gerüche, Geräusche, viele Menschen oder Hunde) auf ihn einwirken. Darum habe ich Tiber sehr bald an das Tragen des Haltis gewöhnt. Heute geht er im Halti mit hoch erhobenen Kopf und einem kleinen Trab, wie er typisch ist für diese Rasse. Er hat gelernt auf allerfeinste Signale zu achten.
Anfänglich habe ich auch eine Körperbandage angelegt und die Balanceleine und den Double Diamond zur Hilfe genommen. So konnte ich ihm an vielen Punkten seines Körpers Informationen geben und damit nicht nur seine Sicherheit, sondern auch sein Körperbewusstsein weiter schulen.
Bodenarbeit hat Tiber immer gut getan, im Labyrinth hat er gelernt, seine Bewegungen fein abzustimmen und das Arbeiten über die Hindernisse hat ihm geholfen, seine Vor- und Hinterhand gut zu koordinieren.
Gerade die Hindernisse aus der TTouch®-Methode sind für einen blinden Hund nicht gefährlich und fordern und fördern ihn in gleicher Weise.
Beinkreisen und TTouches an den Pfoten, z.B. Turtle - TTouch, Waschbär oder auch Haargleiten zwischen den Ballen geben ihm guten Kontakt zum Boden und erhöhen seine Akzeptanz, sich dort anfassen zu lassen und mit einem Bein vertrauensvoll den Kontakt zum Boden aufzugeben.
Auf unseren Spaziergängen läuft Tiber ohne Leine, dank seiner guten körperlichen Balance kann er auf ein Warnsignal von mir ( "Stop!" oder "Auto!" ) aus vollem Lauf abstoppen. Meist läuft er nämlich voraus!
Mit Hilfe der Balanceleine haben wir Treppen Auf- und Abwärts Steigen geübt, dass kann manchen blinden Hund Probleme bereiten - aber nicht nur blinden Hunden!
Tiber reagiert sehr auf Gewitter, Schüsse und auf Feuerwerk , er beginnt dann am ganzen Körper zu zittern. Das Anlegen einer ganzen Bandage , Ohrenarbeit und Haargleiten lassen ihn bald zur Ruhe kommen.
In solchen Situationen ist sein liebster Platz nahe bei einem unserer Familienmitglieder, möglichst mit viel Körperkontakt.
Am liebsten liegt er so, dass mindestens eine Seite seines Körpers Kontakt hat zu etwas anderem - es kann auch ein Stuhlbein sein. In der Körperbandage oder dem T-Shirt fällt es ihm wesentlich leichter, frei im Raum zu liegen.
Wir haben uns mit Tiber angewöhnt, unsere Hunde über unsere Absichten zu informieren und sie um etwas zu bitten. Ich kann Tiber sagen: "Stehst du bitte auf" , wenn er vor der Küchenschublade liegt , die ich gerade öffnen will. Er steht sofort auf. Ich sage ihm: "Geh bitte zurück" , wenn er vor der Haustür steht, die ich öffnen will. Er geht dann einige Schritte zurück.
Die Aufforderung "Jetzt lauf" lässt ihn übermütig davon sausen.
Wie ich nun mit einem blinden Hund umgehe, hängt von sehr vielen Faktoren ab.
Ältere blinde Hunde (das habe ich mir von vielen Besitzern solcher Hunde erzählen lassen) kommen oft recht gut mit dieser Einschränkung zurecht, weil sie sich aufgrund ihres Alters oder anderer körperlicher Gebrechen sowieso einschränken. Zu der Erblindung kommt oft eine schlechtere Beweglichkeit , aber auch Schwerhörigkeit und ein Nachlassen der Nasenleistung hinzu.
Jüngere Hunde mit gutem Selbstbewusstsein können sogar richtig Agility machen (s.a. www.blinde-hunde.de ), aber wenn wie bei Tiber schon wenig Selbstbewusstsein vorhanden ist, bedeutet das, sehr sensibel vorzugehen.
Manche Hunde entwickeln Probleme damit, plötzlich angefasst zu werden , vor allen Dingen von hinten und andere erschrecken sich bei plötzlichen Geräuschen.
Viele Hunde, die langsam erblinden, können sich gut auf das Nachlassen der Sehkraft einstellen. Andere Hunde ,wie Tiber, werden durch den schubweisen Verlauf der Erkrankung immer wieder neu verunsichert. Tiber z.B. hat es eher gut getan, letztendlich nichts mehr zu sehen.
Hunde, die durch Erkrankung oder einen Unfall plötzlich ihr Augenlicht verlieren, können wirklich depressiv werden und aggressives oder panikartiges Verhalten entwickeln.
Besonders schwer haben es sicher blinde Hunde, die ihren gewohnten Lebensraum und ihre Bezugspersonen wechseln müssen.
Dann gibt es Hunde, die nicht ganz erblinden und z.B. Licht und Schatten noch gut wahrnehmen können. Solche Hunde können oft noch starke Farbkontraste unterscheiden.
TTEAM® bietet einen wundervollen Weg, diesen Tieren zu helfen, sie zu beruhigen und ihre Selbstsicherheit und ihr Körperbewusstsein zu fördern.
Ich arbeite im Moment mit einem Border-Mix, der eine beginnende PRA hat und extrem unsicher wird auf glattem Boden.
Er friert ein und lässt sich fast nicht mehr bewegen. Halbe Bandage, Beinkreisen, Rutenarbeit, ZickZack und verschiedene TTouches im Halsbereich , zartes Bewegen des Kopfes in alle Richtungen haben ihm aus dieser Erstarrung herausgeholfen. Danach konnten wir seinen Spielball ein Stück weit auf den glatten Boden rollen lassen und er brachte ihn zurück.
Einem anderen Hund , mit dem ich arbeite, hilft es, dass an bestimmten Stellen im Haus Teppiche liegen. Bei diesem Hund ist nur eine Unsicherheit vorhanden, wenn das Licht wechselt, Schattenbereiche vorhanden sind und der Boden zusätzlich glatt ist. Seine Besitzerin machte Führtraining mit Halti und Körperbandage in den Räumen des Hauses, die ihn besonders stark verunsichert haben. Sie legte dazu Matten aus und übte mit ihm das langsame und kontrollierte Wechseln von Teppich - zu glatten Böden. Darüber hat der Hund soviel Vertrauen zu ihr aufbauen können, dass er sich nun im Haus wieder überall mit hin bewegt.
Blinde Hunde haben die Möglichkeit, ihren Geruchsinn zu verfeinern. Sie lernen, mit ihrer Nase zu "sehen". Tiber, der als Hütehund keine besonders ausgebildete Nasenleistung hatte, brauchte ein wenig Zeit dazu, stellt es aber heute sofort unter Beweis, wenn sich Fressbares in kleinsten Mengen in seiner Nähe befindet. Er findet alles !!
Auch das Gehör wird sensibler und viele Dinge, die ihm begegnen, ortet er je nach Eigenschaft mit der Nase oder mit dem Gehör.
So lief er anfangs ohne eine Warnung von uns sehr oft gegen geparkte Autos. Heute erkennt er sie entweder an dem knackenden Geräusch eines noch warmen Motors oder am Geruch und umläuft sie mit großer Sicherheit.
Tiber lässt sich mit Klopfzeichen über Hindernisse führen, geht über eine Leiter, über die Wippe, die A-Wand und und springt mit Klopfzeichen 60 cm frei. Wenn sehr laute Umgebungsgeräusche seine Wahrnehmung beeinträchtigen, klatsche ich Hände und spreche ihn dabei an. Das hilft.
Eine andere Möglichkeit ist Clickertraining, wenn der Hund nicht sowieso geräuschempfindlich ist. Dann könnte der Knackton zu hart sein und sollte zumindest abgedämpft werden.
Der Ton des Clickers ist ein sehr prägnantes Geräusch , das gut heraus zu hören ist unter vielen anderen Geräuschen.
Um Tiber zu erleichtern, wo Fanny sich gerade befindet, hat Fanny einige "Bimmelteile" ( Städt.Plakette, Impfplakette) am Halsband.
Bei mehreren Hunden besteht die Möglichkeit, jedem sein eigenes Glöckchen umzuhängen, der blinde Hund lernt sehr schnell zu unterscheiden, welcher Hund welche Glocke trägt.
Bei fremden Menschen ist Tiber grundsätzlich vorsichtig geblieben und oft denke ich, er spürt in seiner Aura , wer ihn anfassen möchte.
Von mir erhält er immer zusätzliche Informationen, ob alles "Okay" ist oder ob er "Langsam" machen soll, wenn wir uns z.B auf einen Spaziergänger zu bewegen . Ich kann ihm auch sagen "Vorsicht, da kommt jemand!"
Trotz der guten Nasenleistung unserer Hunde erhalten sie nämlich oft falsche oder keine Informationen, wenn der Wind nicht richtig steht. Dann ist es möglich, dass er entgegenkommende Personen oder Hunde erst wahrnimmt, wenn sie sich direkt vor ihm befinden.
Fährtenarbeit kann für einen blinden Hund zu einer sehr sinnvollen und ausfüllenden Aufgabe werden.
Eines der wichtigsten Dinge im Zusammenleben mit einen blinden Hund ist, nicht mitleidig zu sein. Wenn wir nur Mitleid haben, ermöglichen wir diesem Hund kein normales Leben und sind ihm auch keine starken Partner. Wir beunruhigen in unter Umständen in Situationen, die er ohne unser Mitleid gut meistern könnte und machen ihn zusätzlich unsicher.
Leben mit einem blinden Hund bedeutet soviel Hilfe wie nötig und sowenig Hilfe wie möglich.
Erst als ich aufhörte, mich zu fragen, warum ausgerechnet mein Hund blind werden musste, konnte ich beginnen, an Tibers depressivem Zustand etwas zu ändern.
Blinde Hunde können schnell überfordert sein, weil sie ihre verbliebenen Sinne in einer ganz anderen Konzentration fortwährend gebrauchen müssen, vor allen Dingen in einer fremden Umgebung.
Tiber wird in fremder Umgebung erst einmal im Halti geführt und erhält von mir entsprechende Informationen "Ist alles okay" oder "Langsam", wenn er auf ein Hindernis zuläuft.
Also nicht laufend die Möbel im Haus umräumen! Und wenn im Frühjahr die Gartenmöbel auf die Terrasse kommen, den Hund einmal mit "Paß auf" oder einem ähnlichen Signal durchlotsen. Beim zweiten Mal ist er vorsichtig und benötigt meist keine weitere Hilfe mehr.
Gleiches gilt in der Begegnung mit Hunden. Tiber muß sich im wahrsten Sinne des Wortes blind auf uns verlassen können. Ich wäge eine Begegnung ab und entscheide, ob sie zu aufregend für ihn werden könnte. Dann gehen wir in der Distanz weiter, die für alle Beteiligten ohne Stress zu bewältigen ist.
Ansonsten lasse ich Hundebegegnungen auch zu. Da Tiber in der Begegnung mit Hunden in seiner Körpersprache zuerst etwas unsicher wirken kann, muß ich dabei seine große "Beschützerin" Fanny etwas mäßigen, damit er ungestört Kontakt aufnehmen kann. Ist seine Körperhaltung entspannt, lasse ich Fanny dazu.
Sehr wichtig ist zu beachten, dass ein blinder Hund die Beschwichtigungssignale anderer Hunde nicht mehr sieht. Diese Funktion muß ich für ihn übernehmen - auch hier käme es zu einem großen Vertrauensbruch , wenn der blinde Hund eine schlechte Erfahrung macht. Daraus erwachsen entweder Angst und Unsicherheit oder Aggressivität.
Dies ist auch zu beachten im Zusammenleben mit einem zweiten Hund. Tiber ist Fanny erst einige Male wirklich in die Zähne gerannt, bevor ich das Problem erkannte - er sieht ihre Körpersprache nicht! Solche Situationen müssen wir für unseren blinden Hund unter Kontrolle halten. Fanny reagiert sehr gut, wenn ich dazu selbst Beschwichtigungssignale anwende, also laut gähne, mir kurz die Lippen lecke und Fanny dabei anblinzele. Mittlerweile "spürt" Tiber, wenn Fanny ihn fixiert und wartet ab, bis mein Signal "Alles okay" kommt.
Blinde Hunde "schauen" mit der Nase und beginnen, dabei unwillkürlich mit den Augen fixieren. Tibers Augen wirken durch den Pupillenweitstand besonders dunkel und stechend und er wurde zweimal von einem fremden Hund angegriffen, bevor ich eine Idee hatte, woran es liegen könnte. Wenn er angeleint ist, kann ich ihm mit dem Halti helfen, den Kopf abzuwenden und lasse ihn damit ein Beschwichtigungssignal ausführen.
Beide Hunde wissen auch, was "Schau weg" bedeutet.
Für blinde Hunde können Rituale sehr hilfreich sein. Bestimmte Dinge werden immer in der gleichen Weise durchgeführt - das gibt Sicherheit über den Ablauf und eine Situation wird einschätzbar.
Tiber springt z.B. frei in den Kofferraum unseres Geländewagens. Anfänglich sprang er mir einige Male im Stress gegen die geschlossenen Hecktür, weil er schnell in das sichere Auto wollte.
Heute springt er erst auf ein Klopfzeichen ab. Mit Hilfe der Balanceleine haben wir diese Situation trainiert. Durch das Klopfzeichen erhält er zusätzlich eine Information über die Ladehöhe, die bei unseren beiden Autos unterschiedlich ist.
Fanny darf erst als zweite hinein, damit er nicht versehentlich in sie hinein springt. Umgekehrt springt Tiber als erster hinaus, weil Fanny ihn ja beim Hinausspringen sehen kann.
Ich habe mit Tiber im Herbst 2001 die Begleithunde-Prüfung abgelegt. Dabei habe ich festgestellt, dass er sehr verunsichert auf wenig Ansprache oder Lob reagiert. Er ist wegen seiner fehlenden optischen Information (Körpersprache) auf die akustische ( Lob, Richtungshinweise) angewiesen. Die Ablage ( während ein anderer Hund die Prüfungsaufgabe läuft ) ist für einen blinden Hund sehr schwierig - es kommt einer Vereinsamung gleich. Der Hund sieht seinen Besitzer nicht, hört ihn nicht und wenn der Wind schlecht steht, ist er auch geruchlich für den Hund nicht mehr auszumachen.
Wir haben für Tiber eine Lebensgefährtin ausgesucht nach ganz besonderen Gesichtspunkten bzgl. seiner Behinderung. Fanny war im Rudel keine ranghohe Hündin. Trotzdem hat sie mittlerweile seine Schwächen ausgelotet und versucht sich hier Vorteile zu verschaffen. Er akzeptiert das teilweise und in manchen Situationen wird der auch von ihr sehr dominiert. Bis zu einem gewissen Grad muß ich die von den beiden Hunden aufgestellte Rangordnung auch mittragen - selbst wenn Tiber im Nachteil ist.
Zuviel Kontrolle von Fanny über Tiber lasse ich allerdings ebenso wenig zu wie Streit , hier splitte (trenne) ich.
Andererseits hat Tiber Aufgaben im Zusammenleben mit Fanny: er muß seine Hündin beschützen, ihre Marken übermarkieren und gemeinsames Kontrollieren einer gut duftenden Stelle oder kollektives Wälzen ( mit Vorliebe im gemisteten Feld! ) hat einen hohen Spaßfaktor. Mittlerweile hat er sich im fremden Gelände an ihre Führung gewöhnt , sind wir mal alleine unterwegs , ist er deutlich gehemmter.
Aber nicht jeder blinde Hund ist glücklich über einen zusätzlichen Lebensgefährten und dieser sollte sorgsam ausgewählt werden. In die von den Hunden geschaffene Rangordnung korrigierend einzugreifen, weil sich die Verhältnisse zu Ungunsten des blinden Hundes ändern, bedeutet fortwährendes Streiten um die Rangordnung.
Blinde Hunde, die gerne spielen, sind den sehenden Hunden gegenüber schnell im Nachteil. Auch alte blinde Hunde können mit einem temperamentvollen jungen Lebensgefährten überfordert sein.
Im Alltag vergesse ich heute oft, dass Tiber blind ist. Passiert mal ein Missgeschick, weil ich ihn nicht rechtzeitig informiert habe, versuche ich so gelassen wie möglich zu sein um ihn nicht durch mein aufgeregtes Verhalten zusätzlich zu verunsichern. Meist schüttelt er sich nach überstandener Aufregung kurz ab und wartet ab, wie's weiter geht.
Er selbst umläuft mit einer enormen Sicherheit in den Weg hineinragende Äste, liegende Baumstämme oder Pfosten, die im Weg stehen. Die werden übrigens markiert, wenn er einmal dagegen gelaufen ist . Das scheint für Tiber eine Möglichkeit zu sein, eine Information zu diesem Punkt zu haben.
Ich habe Tibers Erblindung angenommen - als Chance, zu einem anderen Bewußtsein im Umgang mit Tieren zu gelangen, zu einer anderen Qualität des Zusammenlebens und des besseren Verständnisses für unsere vierbeinigen Gefährten. Tiber und Fanny haben mich zu TTEAM® geführt - dafür bin ich meinen Hunden dankbar.
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